Mr. Moltke hört auf
Krefeld Wolfgang Urban war Jahrzehnte im Förderverein des Moltke-Gymnasiums. Ihm verdanken Schule und Stadt maßgeblich die Rettung der Scheutenschen Bibliothek. Seine Familie ist in fünfter Generation dem Moltke verbunden.

von Jens Voss, RP ONLINE, 14.09.2018

Plötzlich ist der da, dieser Spitzname: Schnauz-Jäger. Generationen von Moltke-Schülern verbinden damit einen Geschichtslehrer, nicht zu verwechseln mit „Pfeifen-Jäger“, der ohne Schnauzbart, dafür aber mit Pfeife in der Schule unterwegs war. Sehr praktisch. Nicht auszudenken, wenn auch Pfeifen-Jäger einen Schnäuzer gehabt hätte.

Wolfgang Urban, Abi-Jahrgang 1968, ist Moltkerianer mit Leib und Seele. Wenn auch seine Enkel aufs „Moltke“ gehen, ist die Familie in fünfter Generation dieser Schule verbunden: Sein Großvater war Lehrer für Latein und Griechisch am Moltke, sein Vater hat dort wie der Sohn und dessen Kinder das Abitur gemacht. Schon der Vater war im Vorstand des Fördervereins; Sohn Wolfgang rückte nach, als der Vater 1979 schwer erkrankte. Was verbindet Urban so tief mit seiner Schule? Er lächelt: „Ich bin acht Jahre lang von der Schule nach Hause gekommen und hab geschimpft: Scheiß Hausaufgaben, doofe Lehrer.“ Ein guter Schüler sei er nie gewesen, der Abi-Schnitt lag bei 3,6. „Immerhin habe ich als einziger Sextaner meiner Klasse ohne Ehrenrunde die Oberprima erreicht. Dann setzte einen Tag nach dem Abitur bei mir Erinnerungsverklärung ein.“ Ein Grund für die Wertschätzung ist auch sachlich-fachlicher Natur: „Ich habe Medizin studiert, und Medizin ist ein Paukstudium. Im Studium hab ich gesehen, dass ich am Moltke gelernt habe zu lernen.“

Wolfgang Urban hat nach 37 Jahren Dienst im Vorstand des Fördervereins des Moltke-Gymnasiums die Arbeit in jüngere Hände gelegt. Fotos: Lammertz, Thomas (lamm)

Jedenfalls: Wolfgang Urban war seit 1980 Beisitzer im Vorstand und ab 1994 Vize-Vorsitzender. Den Vorsitzenden-Posten hat er stets vermieden, genug Arbeit gab es dennoch. Der Förderverein hat Erstaunliches geleistet. Von 1947 bis 1999 steckte er rund 600.000 Mark in die Schule, ab 2000 bis heute rund 420.000 Euro. In den 80-er Jahren ging es um Dinge wie Kassetten- und Videorekorder, Fernsehgeräte und Diaprojektoren. 1988 tauchte erstmals ein PC auf der Wunschliste der Schule auf, 1996 wurde für 54.000 Mark ein Informatikraum eingerichtet. „Das war ein großes Thema“, erinnert sich Urban, „erst recht, weil irgendwann jeder Computer im Geschäft beim Weg vom Regal zur Kasse schon veraltet war.“

 

Die wichtigste Tat von Urban galt der Scheutenschen Bibliothek, die bis 1998 schlicht Lehrerbibliothek hieß. „Mein von mir sehr verehrter ehemaliger Klassenlehrer Günter Pielhauer, der mir nach dem Abitur zum lieben Freund geworden ist, hatte schon während seiner Lehrertätigkeit begonnen, die Bestände der Bibliothek zu archivieren“, berichtet Urban. Ab 2001 nahm sich dann auf Drängen von Urban der Förderverein der Bibliothek an. „Das war eine Herzensangelegenheit von mir“, sagt Urban. Natürlich spielte der Wert der Büchersammlung eine Rolle; für Urban ging es aber auch um das Vermächtnis seines Lehrers und Freundes Günter Pielhauer. So begann man, den Bücherbestand anhand eines Findbuchs, in dem alle Werke, die 1900 zur Bibliothek gehörten, zu erfassen. Die Bibliothek ist im Zweiten Weltkrieg auseinandergerissen worden. Ein Teil landete im Kaiser-Wilhelm-Museum, ein Teil im Stadtarchiv, ein Teil im Museum Burg Linn. Als Glücksfall bezeichnet Urban den Kontakt zu Manfred Wüst, der die Bücher bis heute betreut und fachgerecht restauriert. Heute lagert die Bibliothek in großen Teilen in klimasicheren Schränken; Urbans Traum ist es, die komplette Bibliothek wieder zu vereinen.

 

Nun hat Urban nach 37 Jahren Arbeit im Vorstand des Fördervereins sein Amt in jüngere Hände übergeben. Ihm sei nicht bange um den Verein, sagt er, dem Vorsitzenden Armin te Neues – seit 2004 im Amt – sei es gelungen, einen Generationswechsel einzuleiten. „Ich habe an meiner Schule nicht nur lernen gelernt“, sagt Urban über seine lebenslange Treue zum Moltke, „ich habe dort auch meine Liebe zur Geschichte des Mittelalters und des Altertums sowie zur klassischen Literatur entdeckt. Ich wollte der Schule etwas zurückgeben.“

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