Dinner for Moltke – der 200. Geburtstag, Helmut Gote am Moltkeplatz
erstellt: 19.06.2019

Der Abend (am 03.05.2019), das wird schnell klar, ist einzigartig, Helmut Gotes Rückkehr an die alte Wirkungsstätte (Abitur 1977), das nie für möglich gehaltene, ersehnte Heimspiel wird zu einem anekdotenreichen und unterhaltsamen Rückblick auf eine spannende Zeit im Leben des beliebten Journalisten, Moderator und Radiokochs. Wer Richard Wrenghams Klassiker „Feuer fangen. Wie uns das Kochen zum Menschen machte.“ (2009) noch nicht gelesen hat, braucht nur zwei Sätze aus Gotes Mund, um zu verstehen, dass Kochen und Essen wie Fühlen und Sprechen für den Menschen existenziell sind. Vor dem Hintergrund seines aktuellen Kochshow-Programms, das das Publikum auf kulinarische Entdeckungsreise nach Indien mitnimmt, gelingt dem ehemaligen Moltke-Schüler eine kurzweilige Zeitreise in die eigene langhaarige Vergangenheit, nie kitschig, nie nostalgisch verklärt, immer frei raus, selbstironisch, mit einem Zwinkern im Knopfloch. Ja, der Mann kann reden, dass man ihm pausenlos zuhören möchte; gäbe es ihn als sprechende Gewürzmühle, jeder hätte ihn im Küchenregal. Ob er kocht, oder was er kocht, ist dabei fast schon nebensächlich. Der Abend ist gespickt mit scharfen Spitzen gegen die Absurditäten des Zeitgeistes, gegen die Gesundheits- und Ernährungsindustrie, gegen die geringen Summen Haushaltsgeld, die wir Deutschen im europäischen Vergleich für unser Essen ausgeben, dazu  gibt es auf den zwei Elektroplatten vor ihm reichlich Zwiebeln und noch mehr Knoblauch, es geht heiß her. Dass zwischenzeitlich kurz der Strom ausfällt, dass nicht jeder am Ende etwas zum Probieren bekommt, spielt keine Rolle. Das zahlreiche Publikum aus Weggefährten, Verehrern, Gästen, Schülern und Eltern dankt dem unterhaltsamen und wortgewandtem Programm des Radiokochs mit viel anerkennendem Applaus. Denn ein Stück weit ist der Abend eben auch bewegende Sozialgeschichte, eine sehr persönliche Geschichte einer Migration aus dem beschaulichen Bottrop ins mondäne Krefeld der 70er Jahre, von der Stulle vor dem Schlafengehen zum Abendessen mit Messer und Gabel, von unterschiedlichen Welten rechts und links vom Rhein, von Omas guter Küche im Ruhrgebiet zu Camel und Rhenania-Alt in der schicken Seidenstadt. Gegen Ende stockt jedoch die mitreißende Stimme für einen kurzen Augenblick, die das begeisterte Publikum durch den Abend führt. Ton und Wortwahl ändern sich, als Helmut Gote der Schule dankt, vor allem jenen Lehrerpersönlichkeiten, die ihn vorbildhaft sein Leben lang geprägt haben.

Wir danken Helmut Gote für diesen schönen Abend im Mai, der durch die tatkräftige Unterstützung von Frau Jochims, Herrn Rademacher und Herrn Dr. Rademacher möglich geworden ist.

Dr. Christof Ginzel

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