Eine Reise durch unsere Schulgeschichte

Ab 1793 – Eroberung der linksrheinischen Gebiete durch Napoleon.

2. Dezember 1794 – In der napoleonischen Besatzungszeit kommt es zu Verwicklungen, die zum Ende der im Jahr 1647 erstmals erwähnten Lateinschule in Krefeld führen. Ihr Unterricht wird an das private Institut angegliedert, das der letzte Direktor der Lateinschule gegründet und parallel geleitet hat. Durch dieses Institut ist es zuvor schon zu einem Bedeutungsverlust der Lateinschule gekommen.

1800 – Adam Scheuten legt in seinem Testament die Summe von 15.000 Reichsthalern für die Errichtung einer Schule in Krefeld fest. Ebenso werden von ihm konkrete Lehrgegenstände dieser Schule festgehalten: Latein, Mathematik, Geschichte, Erdbeschreibung. Die Schule steht für Schüler aller Konfessionen offen.

Adam Wilhelm Scheuten (28.02.1753 - 18.02.1801)

 

1804 – Der Code Civil wird eingeführt und wirkt bis zum Erscheinen des Bürgerlichen Gesetzbuch im Jahr 1900 fort.

1814 – Ende der Napoleonischen Herrschaft am Rhein.

1. Oktober 1819 – Die Stiftungsschule nimmt als höhere Stadtschule mit 36 Schülern in zwei Klassen den Betrieb auf. Sie befindet sich an der nördlichen Ecke Königstraße und Angerhausenstraße. Der neue Direktor Noll gibt an, sich als Nachfolger der alten Lateinschule bzw. Rektoratschule zu sehen.

1827 – Die Höhere Stadtschule hat bereits 100 Schüler. Da der Platz nicht mehr ausreicht, muss eine neue Lösung gefunden werden. Durch die Vervollständigung des Lehrplans kann die Schule sowohl auf das Gymnasium als auch auf eine spätere Tätigkeit in Handel und Gewerbe vorbereiten.

3. August 1828 – Die Urkunde der Grundsteinlegung des neuen Schulgebäudes an der Rheinstraße gibt neben Adam Scheuten 41 weitere Krefelderinnen und Krefelder an, die als Stifter und Aktionäre der Schule aktiv geworden waren. Die Mehrzahl der Aktionäre verzichtet später auf die von ihnen eingesetzten Gelder.

1832 – Unter dem Vorsitz des Regierungs- und Schulrates Johann Herman Altgelt (1795-1871) legen zwei Schüler, Hendelein und Holthausen, eine Prüfung ab, die sie “vorzüglich” bestanden. Beide studieren im Anschluss Katholische Theologie.

1839 – Die tägliche Arbeitszeit für 9-16 Jährige wird auf 10 Stunden begrenzt

1848 – Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichen das Kommunistische Manifest, Märzrevolution im Deutschen Bund

16. August 1860 – Die Stadt Crefeld übernimmt die Scheutensche Anstalt, die Schule wird zur Städtischen Realschule II. Ordnung.

1863 – Die Schülerschaft ist auf 330 Schüler gewachsen. Somit stellt sich das Raumproblem erneut.

Oktober 1864 – Das neue Schulgebäude am Luisenplatz wird eingeweiht. Auch dieses wurde zu einem erheblichen Teil durch Förderer der Schule finanziert. Das Schulgebäude ist ein reiner Zweckbau. Bemerkenswert ist jedoch die Südseite des Gebäudes, deren Fenster mit Markisen ausgestattet werden, um Sonneneinstrahlung und damit übermäßige Hitze zu vermeiden.

18. September 1867 – Die Schule wird Realschule I. Ordnung

Schulhaus am Luisenplatz (1864 bis 1915)

8. August 1868 – Erste Reifeprüfung (Realabitur) von drei Kandidaten erfolgreich abgelegt: Albert Landmesser (14. März 1849 - 7. August 1924; Direktor der Baseler-Lebensversicherungsgesellschaft), Max von Zeuner und Otto Schauenburg.

1871 – Das Deutsche Reich wird im Spiegelsaal von Versailles gegründet.

1880 – Zur Vollendung des Kölner Doms findet eine Feier statt. Schüler und Lehrer fahren am nächsten Tag nach Köln, um an der offiziellen Staatsfeier mit dem Kaiser teilzunehmen.

1882 – Aus der Realschule I. Ordnung wird durch eine Schulreform ein Realgymnasium. Durch die damit zusammenhängenden schulischen Umgestaltungen wächst die Schülerschaft weiter.

1899 – In Baden dürfen Frauen studieren.

1902 – Kaiser Wilhelm II. besucht Krefeld, die Schüler der Schule nehmen teil:

„ Die Schüler des Realgymnasiums […] zogen am 20. Juni 1902 vormittags mit den Schulfahnen unter Voranmarsch einer Militärkapelle nach dem Ostwall, wo ihnen an einer der schönsten Stellen dieser Anlage […] der Platz behufs Spalierbildung angewiesen war. Nach der von unermesslichem Jubel begleiteten Vorbeifahrt seiner Majestäten kehrten Lehrer und Schüler wieder nach dem Schulhof zurück.“ (Jahresbericht 1902/03)

1912 – Der bereits errichtete zusätzliche Schulpavillon reicht nicht mehr aus, um die Schüler unterzubringen. Es wird ein weiteres Gebäude angemietet.

1914-1918 – Der Erste Weltkrieg.

August 1914 – Wegen des Beginns des Ersten Weltkriegs wird die Notreifeprüfung für die Schüler geschaffen, die sich für den Kriegseinsatz melden. Beide Oberprimen lösen sich so fast vollständig auf. In den folgenden Jahren wird die 13. Jahrgangsstufe immer kleiner, da bereits die Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 in das Heer eintreten. Bei der Mobilmachung werden elf Lehrer eingezogen, weitere folgen im Kriegsverlauf.

Sommer 1915 – Übergabe des neuen Schulgebäudes am Moltkeplatz. Dazu der Architekt August Biebricher: „Für den Innenausbau und die Einrichtung der Schule sowie den Direktorhausneubau sollten und mussten auch die Wünsche des Lehrkörpers gehört und berücksichtigt werden. Es war keine leichte Arbeit, diese Anforderungen in Einklang mit den vorhandenen Mitteln und den Absichten des Architekten zu bringen. […] Der Kriegsausbruch unterbrach durch die Einberufung des Architekten und eines großen Teils seiner Mitarbeiter den Weitergang der Bauarbeiten […]. Die Einweihungsfeier vollzog sich im Rahmen der ernsten und ungewissen Zeit und in der Hoffnung auf eine festliche Nachholung einer eingehenderen Würdigung des glücklich vollendeten und trotz aller inneren und äußeren Schwierigkeiten allseitig Genugtuung auslösenden Gesamtergebnisses. […] Über dem Giebelfeld mit einem steinernen Früchtekranz eingerahmten Rundfenster auf der Plattform ragen acht von dem aus Krefeld gebürtigen Bildhauer Peter Stammen in Muschelkalk gemeißelte Gestalten empor, die die bildende Kunst, Musik, Baukunst, Geschichte, Turnkunst, Sternkunde, Redekunst und die Naturkunde darstellen […]. Die Baumaterialien sind massiv gewählt, da Putz nicht monumental wirkt. […] Nun noch ein paar Maße für den Gesamtbau: Bei einer Frontlänge von 133 Metern beträgt die Höhe des Gebäudes am Moltkeplatz bis zum Hauptgesims 15,5 Meter. […] In den Klassenzimmern ist der Fußboden mit Linoleum belegt; der untere Wandteil zeigt verschiedenartig abgetönte Ölfarbe, darüber Kaseinfarbe. Das Konferenzzimmer hat bis Türhöhe Eichenholzvertäfelung. […] Im Kellergeschoß […] befindet sich die Schuldienerwohnung und ein Milchausschank; dazu die Zentralheizung usw. Der Schulhof misst etwa 6500 Quadratmeter; ein durch Baumreihen abgetrennter Teil ist als Turnhof gedacht. Den Grundstücksbogen füllen Gärten aus, darunter ein großer Schulgarten. Der schönste Raum des Ganzen und einer der schönsten, wenn nicht der schönste, in Krefeld ist der Festsaal […]. Vierzehn prächtig wirkende ionische Säulen tragen eine Galerie, die ein Gitter abschließt. […] Insgesamt sind die Kosten der Schule auf 1400000 Mark veranschlagt, davon 100000 Mark für die Ausstattung des Moltkeplatzes. Das ist viel Geld. Aber wir sind überzeugt, dass trotzdem jeder, der das Werk einsehen darf, mit der Verwaltung und dem Künstler stolz sein wird auf ein Werk, das ja für Generationen bestimmt ist und das für unsere Stadt ein hohes künstlerisches Gut bedeutet, um das uns viele beneiden werden.“

Rückansicht des Schulgebäudes mit Planetenbahnen auf dem einstigen Observatorium, so erschien das Gebäude vor dem dem 2. Weltkrieg.

1914 – 1918: Im Ersten Weltkrieg sterben zehn Lehrer und 114 Schüler der Schule.

1918 – Ausrufung der Republik.

1919 – Frauen nehmen an der Wahl zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung teil, Gründung des Bauhauses.

1919 – Dr. Pahde wird neuer Schulleiter. Die Herausforderungen seiner Dienstzeit beschreibt die Festschrift von 1969 so:

„Von Ostern 1919 an kam der Unterricht wieder in vollem Umfang in Gang, wenn auch nur unter erheblichen Schwierigkeiten. Es gab Schwierigkeiten durch Verkehrsstörungen, durch Kohlenknappheit, durch Mangel an Lebensmitteln und Material aller Art. Dazu kam die immer lebhaftere Form annehmende Geldentwertung. Auch die Besetzung der Stadt durch belgische Truppen brachte Belastungen mit sich. Diese blieben aber in erträglichen Grenzen, wenn man davon absieht, dass sie beim „Separatisten-Putsch“ im Jahre 1923 eine Rolle gespielt haben, die dieses meist landfremde Gesindel ziemlich eindeutig förderte. Gerade in Krefeld, wo um das Rathaus gekämpft wurde, war diese Putsch-Bewegung vorübergehend zu einer Gefahr für die Stadt und alle städtischen Institutionen, so auch für die Schulen, geworden. Sonst aber behinderten die Besatzungsbehörden den Schulbetrieb nur in soweit, als die Lehrbücher kontrolliert wurden, dass in den Turnstunden das Marschieren im Gleichschritt […] verboten wurde.“

Ostern 1919: Auch einige Schülerinnen besuchen die Oberstufe.

Oktober 1919: Hundertjahrfeier.

Lehrkörper des Realgymnasiums im Jubiläumsjahr 1919.

 

1919 – Nach einem Zeitungsaufruf gründet sich der „Bund von Freunden und Förderern des Crefelder Realgymnasiums“, der später die Bezeichnung „Verein der Freunde und Förderer des Krefelder Realgymnasiums“ erhält und den heutigen Namen „Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums am Moltkeplatz“ trägt. In der Vereinssatzung wird die Zielsetzung formuliert: „1. Bereitstellung geldlicher Mittel zur Förderung der Zwecke der Schule in jeder Weise. 2. Förderung und Unterstützung des außeramtlichen Lebens der Schule. 3. Herbeiführung möglichst reger Beziehungen zwischen Schule und Haus, Lehrerkollegium und Bürgerschaft.“ (Zit. Festschrift 1969, S. 66)

Oberprima im Chemie-Übungsraum 1919.

 

1923 – Der Verein der Freunde und Förderer des Krefelder Realgymnasiums schenkt der Schule die Erinnerungstafeln für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler.

1924 – Aus dem Realgymnasium wird ein Neusprachliches Gymnasium.

1924 – Im Keller der Schule entsteht unter Mithilfe des Rudervereins eine Trockenruderanlage. Bis 1933 werden regelmäßig Erfolge der Ruderriege der Schule gemeldet.

1929 – Weltwirtschaftskrise.

1933 – Hitler wird zum Reichskanzler ernannt.

1933 – Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten werden die Schüler der Schule mehrere Wochen in Landschulheimen ideologisch geschult. Besonderer Wert wird auf die biologische und sportliche Ausbildung gelegt. Diese Schulungen werden bis 1945 für Schüler und Lehrer immer wieder durchgeführt. In dieser Zeit wurde der Religionslehrer Studienrat Buscher wegen abfälliger Bemerkungen über die Hitlerjugend von Schülern denunziert und seines Amtes enthoben.

1937 – Die Schule wird zu einer Oberschule für Jungen.

1938 - Reichspogromnacht.

1938 – Es erfolgt die Umbenennung in „Schäfer-Voß-Schule“. Emil Schäfer und Werner Voß waren mit dem Pour-le-mérite-Orden ausgezeichnete Jagdflieger des Ersten Weltkriegs und ehemalige Schüler der Schule. Sie gehörten neben dem „Roten Baron“ Manfred von Richthofen zu den bekanntesten Deutschen Jagdfliegern und flogen auch in seiner Jagdstaffel bzw. mit ihm. In Krefeld und Stuttgart sind heute noch nach Werner Voß Straßen benannt, in Berlin der sog. Werner-Voß-Damm. Bei Bückeburg ist eine Kaserne der Bundeswehr nach Emil Schäfer benannt. In dem Kinofilm „Der Rote Baron“ aus dem Jahr 2008 wird Werner Voß von Til Schweiger gespielt.

1938 – Es kommt zu einer Reform der höheren Schulen. Im Erlass heißt es:

Aus wichtigen Bevölkerungspolitischen Gründen wurde die neunjährige höhere Schule auf acht Jahre gekürzt. […] Das nationalsozialistische Erziehungssystem ist seinem Ursprung nach nicht das Werk der pädagogischen Planung sondern des politischen Kampfes. […] Die nationalsozialistische Weltanschauung ist das Fundament des Unterrichts.“ (zit. Festschrift 1969)

Festsaal vor 1942, heute befindet sich hier die Aula.

 

1939 – Mit dem Überfall auf Polen beginnt der Zweite Weltkrieg

September 1939 – Die Ferien werden aufgrund des Kriegsbeginns um zwei Wochen verlängert. Diverse Unterrichtsräume im Keller werden als Luftschutzräume umgebaut. Die Festschrift von 1969 (!) bemerkt dazu: „Es ist verständlich, dass die im Anfang des Krieges bedeutenden Erfolge unserer Truppen die Aufmerksamkeit der Schüler von der Schule stark ablenkten. Die Leistungen gingen sichtbar zurück.“ Im weiteren Verlauf des Krieges werden die Schüler von den Geschichtslehrern regelmäßig über die Kriegsgeschehnisse informiert. In der Aula wird zudem ein Übertragungsapparat installiert, so dass Lehrer und Schüler die Ansprachen Adolf Hitlers oder anderer hochrangiger Politiker hören können bzw. müssen. Die Berichte des Oberkommandos der Wehrmacht müssen im Schulgebäude sichtbar ausgehängt werden.

1940 – Zwei fast lebensgroße Gemälde der Namensgeber Emil Schäfer und Werner Voß, die vom Verein der Freunde und Förderer des Krefelder Realgymnasiums e.V. gestiftet und von dem Düsseldorfer Kunstmaler Fritz Reusing gemalt wurden, werden an die Schule übergeben. Dazu erklärt der damalige Schulleiter Dr. Wilhelm Erbach:

„Von heute an halten die beiden Krefelder Flieger des Ersten Weltkrieges Wacht an ihrer alten Schule, die sie verließen, um nach einem Soldatenleben des Einsatzes und des Kampfes gegen eine Übermacht von Feinden in fast 80 schweren, siegreichen Luftkämpfen sich ritterlich zu bewähren, und um einer ruhmreichen Laufbahn ihr junges, hoffnungsvolles Leben als selbstverständliches Opfer hinzugeben. An ihnen werden von nun an jahraus, jahrein die Hunderte von Schülern emporschauen, wenn sie an ihre tägliche Arbeit gehen, die ihnen das Rüstzeug und die Grundhaltung für das Leben und die Aufgaben geben soll, welche sie später als deutsche Männer zu erfüllen haben.“ (zit. Festschrift 1969)

Schuljahr 1941/1942 – An 49 Schultagen wird der Schulbeginn wegen nächtlichen Fliegeralarms von 8.00 Uhr auf 8.45 Uhr verlegt, zudem werden die Stunden von 45 Minuten auf 40 Minuten gekürzt. Zahlreiche Sammelaktionen z.B. für Spenden an das Winterhilfswerk oder das Sammeln von Heilkräutern finden während der Unterrichtszeit statt.

26. Januar - 25. Februar 1942 –  Aufgrund des kriegsbedingten Brennstoffmangels wird der Schulbetrieb vorübergehend eingestellt – „Kohleferien“.

2./3. Oktober 1942 - Die Schule wird durch alliierte Luftangriffe schwer beschädigt – so sind von den 10.300 Fenstern 4000 zertrümmert, Dachpfannen durch den Luftdruck abgedeckt, Türen aus den Angeln gerissen. Am 5. Oktober werden Schüler und Lehrer zu Aufräumarbeiten eingesetzt. Bis das Schulgebäude wieder einsatzbereit ist, gewährt die Karin-Göring-Schule (ab 1958 Ricarda Huch Gymnasium) Zuflucht.

Zerstörung an Festsaal (heutige Aula) und Sporthalle 1942.

1942/1943 Vernichtende Niederlage der deutschen Wehrmacht in Stalingrad.

März 1943 – Sind seit 1942 schon 18-jährige als Flakhelfer eingezogen worden, werden nun auch 16-jährige einberufen. Zunächst erhalten sie an ihren Einsatzstellen behelfsmäßigen Unterricht.

22. Juni 1943 – Bei einem schweren Luftangriff auf Krefeld wird das Schulgebäude beschädigt. Der Unterricht muss eingestellt werden, da ein Großteil der Lehrer und Schüler von dem Angriff stark betroffen sind.

Juli 1943 – Wegen der massiven Bombardierung Krefelds wird die Schule mit Schülern und Lehrern bis September 1943 nach Mainfranken ausgelagert, um einen regelmäßigen Schulbetrieb sicherzustellen.

Mai 1944 – Der Schulbetrieb wird eingestellt. Die Dienststellen aus dem schwer beschädigten Rathaus werden in das Schulgebäude verlagert. Russische Kriegsgefangene tragen die Schulmöbel in Aula und Turnhalle. Der damalige Schulleiter Dr. Holzapfel weigert sich, dem Oberbürgermeister Dr. Heuyng den Raum der Schulakten als Befehlsstelle bei Luftangriffen zu überlassen. Es wird daher ein Bunker im Garten der Direktorenwohnung gebaut. Nach den Pfingstferien findet der Unterricht im Fichte-Gymnasium und in der Volksschule an der Malmedystraße statt.

September/Oktober 1944 – Der Schulbetrieb wird wegen der starken Bombardierung Krefelds endgültig eingestellt. Die älteren Schüler werden zur Wehrmacht bzw. als Luftwaffenhelfer zur Flak eingezogen, jüngere Schüler und Lehrer müssen Panzergräben im Kempener Feld ausheben.

März 1945 – Die amerikanischen Truppen nutzen nach dem Einmarsch das Schulgebäude.

Mai 1945 – Kapitulation des Deutschen Reichs.

August 1945 – Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki.

1. Oktober 1945 – Die Schule wird nach ersten Aufräumarbeiten von Schülern und Lehrern mit vier Klassenräumen wieder eröffnet.

24. April 1946 – Die Schule bekommt den neuen Namen „Gymnasium am Moltkeplatz“.

Die Nachkriegszeit – Dr. Günther Gerritzen berichtet in der Festschrift 1990 von seinen Erfahrungen als Unterstufenschüler in der Nachkriegszeit:

„Es gab Einzelstühle ohne Tische, im Winter sorgte ein Kanonenofen für Wärme. Statt Fensterscheiben gab es Sperrholz oder Pappe. Nicht in jeder Lampenfassung war eine Birne. Unter diesen Umständen habe ich meine erste Lateinarbeit geschrieben, und zwar mit Kopierstift, weil die Papierqualität Tinte nicht ertragen hätte. Allerdings schrieb ich im Sitzen, während einige Klassenkameraden dies kniend vor den Einzelstühlen machen mussten, damit sie eine Schreibunterlage hatten. Es war eben Nachkriegszeit. Trümmer auf Schulhof und Moltkeplatz, im Gebäude überfüllte Klassenräume, Kinder, die im Sommer mit nackten Füßen zur Schule kamen, und Kinder, die viel Hunger hatten. Einmal am Morgen, in einer Pause, gab es die Schulspeisung. […] eine schwer zu identifizierende Suppe mit Pferdefleischanteilen, die von den meisten Schülern heiß begehrt war.“

1949 – Gründung der BRD und DDR

1961 – Mauerbau

1962 – Kuba-Krise

1962 - Errichtung eines so genannten Schulpavillons für vier Klassen auf den Rasenplatz an der Nordseite des Schulhofes.

Schulgebäude mit Pavillon und zerstörtes Wasserbecken nach 1962.
Schulgebäude mit Pavillon und zerstörtes Wasserbecken nach 1962.

 

1963 – Das Schulgebäude befindet sich nach einer langen Zeit, in der eine Vielzahl an Baumaßnahmen die Kriegsfolgen beheben sollten, wieder in einem der Vorkriegszeit entsprechenden Zustand.

1965 – dem Gymnasium am Moltkeplatz wird ein Gymnasium in Aufbauform vom Typ I – wirtschafts- und sozialwissenschaftlich – zur Erlangung einer fachgebundenen Hochschulreife (F-Gymnasium) angegliedert.

1967 – die ersten (sechs) Schülerinnen legten die Reifeprüfung des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Gymnasiums ab. 

1968/69 – 915 Schüler besuchen das Gymnasium. Der Raummangel ist so groß, dass Klassen mit zum Teil über 60 Schülern unterrichtet werden. Zuvor war schon ein Schulpavillon aufgestellt worden.

1969 – Der Festakt zum 150-jährigen Bestehen des Gymnasiums am Moltkeplatz wurde im Krefelder Theater begangen.

1969 – Woodstock-Festival: Höhepunkt der Hippiebewegung.

Kollegium im Jubiläumsjahr 1969.

 

Mai 1970 – Der Schulpavillon muss wegen der beginnenden Bauarbeiten am Neubau auf den Moltkeplatz verlegt werden. In der Festschrift von 1990 heißt es:

„Da die in der „Baracke“ untergebrachten Schüler den mit Kies bedeckten Moltkeplatz als Pausenhof nutzen mussten, entstanden hier für Schulleitung und Kollegium große Probleme bei der Durchführung der Pausenaufsicht.[…]  So war es trotz aller Bemühungen der Aufsichten nicht zu vermeiden, dass immer wieder einzelne Schüler und auch Schülergruppen den provisorischen Schulhof verlassen konnten. In der Nachbarschaft der Schule kam es immer wieder zu bedauerlichen Vorfällen, die auch von den Anliegern des Schulbereichs bis zum Herbst 1971 ertragen werden mussten.“

Richtfest des Erweiterungsbaus (Nordflügel) am 02.02.1971

1971 – Zu Beginn des neuen Schuljahrs ist der Neubau bereit für den Unterricht. Aus der Festschrift von 1990:

„Alle Räume des Neubaus machen durch eine dezente Farbgebung, die moderne Möblierung und die Lichtfülle […] einen hellen und freundlichen Eindruck. Doch die Freude aller, die in diesem neuen Gebäude lernten und lehrten, wurde bald durch sichtbar werdende Baumängel getrübt. […] Ein anderes Problem brachten die in den Neubau eingebauten Klassentüren. Recht kurze Zeit nach Benutzung der Räume wurden die Schlösser in den Türblättern lose, sodass weder ein einfaches Schließen noch ein Abschließen der Türen möglich war. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich findig und fanden für die Unterrichtszeit eine einfache Lösung um diesem Missstand abzuhelfen. Zum Festsetzen des Türblattes im Rahmen nahm man den in jedem Raum befindlichen Tafellappen, fasste ihn an einer Ecke und warf ihn beim Schließen schnell zwischen Blatt und Türrahmen, wobei die Tür festklemmte. – Es war ein trauriges Bild, das sich während der Unterrichtszeiten von innen und außen auf den Fluren bot. […] Eine Schwierigkeit besonderer Art brachte dem Schulbetrieb das Flachdach des Neubaus. […] Bei Regenwetter wurden in allen Räumen des obersten Stockwerks mehrere Eimer aufgestellt mit denen das von der Decke tropfende Wasser aufgefangen werden konnte. Das ständige Eintropfen des Wassers in die sich unterschiedlich füllenden Eimer verhinderte ein monotones Klangbild.“

Herr Hans-Wolfgang Stockhausen (langjähriger Vorsitzender der Förderverein) schreibt in seinen Erinnerungen „Das (die Errichtung des Neubaus (Erg. d. Red.) veranlasste die Schüler-Mitverwaltung in ihrer Reife und klugen Weitsicht, lautstark den Abriss des gesamten Altbaues zu fordern.“

1972 – Reform der Gymnasialen Oberstufe. Abschaffung des Klassenverbandes und Einführung der Grund- und Leistungskurse.

Anfang der 1970er Jahre erreichte die Schule ihre maximale Schülerzahl von 1275.

1973 – die ersten Mädchen werden in die 5. Klasse eingeschult. Zuvor kamen kaum oder nur sehr selten Mädchen in die Stufe 11 hinzu.

1974 – Das erste Mitteilungsblatt (ab 1991 als Moltke-Chronik) des Vereins der Freunde und Förderer des Krefelder Realgymnasiums, Gymnasium am Moltkeplatz, erscheint als Doppelausgabe.

1975 – Ende des Vietnamkriegs.

1979 – Die Schulkonferenz beschließt einen unterrichtsfreien Samstag einzuführen.

1985 – Im Eingangsbereich erinnern zwei Tafeln an die ehemaligen Schüler der Schule, die in der Zeit der NS-Herrschaft verfolgt wurden. Die Schulaufsichtsbehörde genehmigt zudem einen Grundkurs Informatik, der nur stattfinden kann, weil der Förderverein die benötigten Geräte angeschafft hat.

1988 – Oberschüler tragen sich erstmals für einen Chinesisch-Kurs ein.

1989 – Das erste Ehemaligentreffen findet statt.

1989/1990 – Friedliche Revolution in der DDR, Wiedervereinigung.

1990 – 75-jähriges Gebäudejubiläum.

Zum Jubiläum entsteht unter der Leitung der beiden Musiklehrer Günther Gerritzen und Günter Rademacher die (zweite) Moltke-Langspielplatte in der Aula – dass mobiles Aufnahmestudio stand auf dem Schulhof. Die WZ schreibt: „Eine Stunde sehr junger und erfreulicher Musik ist hier konserviert“.

Cover der Langspielplatte von 1990

 

Die Klasse 8c baut zum Gebäudejubiläum unter der Anleitung ihres Klassenlehrers Erich Potrykus das „Moltke“ aus vielen tausend kleinen Legosteinen nach. Das Modell ist zehn Meter breit und 1,40 Meter hoch.

Beim Laternenwettbewerb der Kreise Krefeld, Viersen und Wesel gewinnt die Moltkelaterne.

Legomodell des Schulgebäudes 1990

1992 – Karl-Heinz Böhm berichtet in der Aula über seine Äthiopienhilfe.

1993 – Beginn des USA-Austausches mit der Independence High School in North Carolina.

1995 – Erstes Moltke-Forum unter dem Organisator Wolfgang von Randenborgh.

1998 – Am Holocaust Gedenktag wird eine Namenstafel mit den Namen der 14 ehemaligen Mitschüler eingeweiht, die durch den Nationalsozialismus umgekommen sind.

2000 – der erste Beamer hält Einzug am Moltke.

2001 – Terroranschlag auf das World Trade Center in den USA.

2002 – Altbundespräsident Richard von Weizsäcker besucht die Schule im Rahmen des Moltke-Forums.

Richard von Weizäcker zu Besuch im Moltke.

2002 – Gymnasium am Moltkeplatz wird Partnerschule des Leistungssports.

2005 – Angela Merkel wird erste Bundeskanzlerin und Joseph Ratzinger wird zum neuen Papst Benedikt XVI. gewählt.

2005 – Der Verein „Moltke-Schüler-für-Afrika“ wird gegründet. Das Moltke unterstützt die Stiftung „Menschen für Menschen“ bereits seit 1998.

2006 – Von den Abiturienten des Jahrgangs 2003 wird der Verein „Moltke-Alumni“ gegründet. Ziele sind unter anderem, den Kontakt unter den ehemaligen Schülern zu erhalten, sowie aktuellen Schülern beim Einstieg in das Berufsleben zu helfen. Der erste G8-Jahrgang wird eingeschult. Zudem läuft das SoKo-Projekt (Soziale Kompetenz) an, mit dem Schülerinnen und Schüler motiviert werden sollen, sozial tätig zu werden.

2007 – Das erste interaktive Whiteboard wird aus Spendenmitteln angeschafft.

2008 - Finanz- und Wirtschaftskrise.

2008 – Leitgedanke „Gemeinsam. Mehr erreichen“ wird geboren.

2008/2009 – Das Moltke wird Stadtschulsportmeister (ebenso in 2012/2013 und 2017/2018).

2010 – Die Homepage wird mit dem deutschen Schulhomepage-Award ausgezeichnet. Der SC Bayer 05 Uerdingen e.V. übernimmt die Hausaufgabenbetreuung und einige Arbeitsgemeinschaften.

2011 – Kooperationsvertrag mit der Krefelder Musikschule.

2012/2013 - Das Moltke im Fernsehen: Die WDR-Lokalzeit aus Düsseldorf begleitet die spannende Zeit des Doppeljahrgangs im letzten Schuljahr bis zum Abitur in einer Serie. Das Kamerateam ist alle zwei bis vier Wochen an der Schule zu Gast.

2012 und 2013 werden die Jungen und 2015 die Mädchen des Gymnasiums am Moltkeplatz Deutsche Schulhockeymeister.

2015 – Zahl der Flüchtlinge nach Europa und insbesondere nach Deutschland steigt.

01. Juni 2015 – 100 Jahre Schulgebäude am Moltkeplatz – Festakt und Schulfest zum Gebäudejubiläum. Das Coverbild dieses Jubiläumsheftes entstand im Rahmen der Feierlichkeiten.

Luftbildaufnahme mit Schriftzug zum Jubiläum des Gebäudes 2015.

 

2019 – Rückkehr zu G9 am Moltke. Der 150. Jahrgang macht Abitur!

1. Oktober 2019 – Festakt zum 200-jährigen Schuljubiläum mit anschließendem Schulfest und Präsentation der Ergebnisse der Projektwoche unter dem Motto „Moltke 200: Tradition mit Zukunft“. Am 4. Oktober im Schulgebäude – Moltke-Party mit über 600 Gästen.

14.03.2020 - alle Schulen in NRW bleiben erstmals wegen des Coronavirus (Covid 19) geschlossen. Der Unterricht erfolgt auf Distanz und am Moltke über Videokonferenzen mit Microsoft Teams.

02.02.2021 - die umfangreichen Sanierungarbeiten am Nordflügel beginnen mit der Gerüstaufstellung, 50 Jahre nach dem Richtfest.

 

Manuela Krause und Dr. Thomas Zöllner

 

Quellenangaben:

Rembert (1919): Realgymnasium zu Crefeld 1819-1919. Festschrift zur Erinnerung an hundert Jahre Schularbeit. 50 Jahre Gymnasium am Moltkeplatz (1965). Alfred Kewuels (1969): Gymnasium am Moltkeplatz zu Krefeld 1819-1969. Eine Festschrift zum 150-jährigen Bestehen. Festschrift 75 Jahre Schulgebäude des Gymnasiums am Moltkeplatz (1990). 100 Jahre Schulgebäude am Moltkeplatz, Krefeld (2015), Festschrift zum Jubiläumsjahr 2015. Zeitzeugenberichte.